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Menschen mit Hörbehinderung oder Gehörlosigkeit

Sind bislang Menschen mit Hörschädigungen nach dem Grad der Beeinträchtigung ihres Gehörs unterteilt worden, wird diese Betrachtungsweise inzwischen nur noch selten verwendet. Infolge dessen wird dem Grad einer Hörschädigung nicht mehr die Bedeutung beigemessen wie jahrzehntelang zuvor.

Inzwischen gelangen die auditiven oder visuellen Fähigkeiten und Fertigkeiten des Einzelnen in den Blickpunkt. Es wird nun untersucht und festgehalten, wie der einzelne Hörgeschädigte am Besten kommunizieren kann. Sind für ihn die Augen für die Kommunikation wichtiger als die Ohren, ist er demnach visuell orientiert? Oder kann der hörgeschädigte Mensch trotz seiner Einschränkung dennoch ausreichend über seine Ohren kommunizieren? Demzufolge wäre er auditiv orientiert und benötigt für die Kommunikation keine visuelle Unterstützung. Auditiv orientierte Menschen können mit technischen Hörhilfen heutzutage so versorgt werden, dass sie weitestgehend unbemerkt in unserer Gesellschaft leben und als behinderte Menschen kaum wahrgenommen werden. Anders sieht es dagegen bei visuell orientierten Menschen aus: Für sie sind optische Hilfen wichtig und zumeist steht bei ihnen die Gebärdensprache im Mittelpunkt ihrer Kommunikation. Da die Gebärdensprache anders strukturiert ist als die herkömmliche Lautsprache, die von den meisten Menschen genutzt wird, hat das neben den Auswirkungen auf die Kommunikation in der Lautsprache auch Auswirkungen auf ihre schriftsprachlichen Kompetenzen.

Eine Hörschädigung kann verschiedene Ursachen haben. Das können Fehlbildungen des Gehörgangs, Verletzungen des Trommelfells, entzündliche Erkrankungen des Mittelohrs, des Innenohrs zum Beispiel Hörsturz oder Tumorbildungen und anders mehr sein.

Für einzelne gesetzliche Leistungen ist die Feststellung der Schwerbehinderteneigenschaft bzw. der Grad der Behinderung notwendig. So erhalten die besonderen Hilfen nach Teil 2 des Sozialgesetzbuches IX (kurz SGB IX) grundsätzlich nur Menschen mit Schwerbehinderung, d.h. wenn der Grad der Behinderung 50 v.H. beträgt. Das SGB IX stellt den Menschen mit Schwerbehinderung, Menschen mit Behinderung mit einem Grad der Behinderung von weniger als 50 v.H., aber wenigstens 30 v.H. gleich, wenn sie infolge ihrer Behinderung ohne die Gleichstellung keinen geeigneten Arbeitsplatz im Sinne des § 73 SGB IX erlangen oder behalten können. Die Feststellung des Behinderungsgrades hat darüber hinaus auch Auswirkungen auf die Geltendmachung einer Behindertenpauschale nach dem Einkommenssteuergesetz.

Leistungen der Eingliederungshilfe nach dem SGB XII können sowohl Personen, die behindert sind, als auch Personen, die von einer solchen wesentlichen Behinderung bedroht sind, erhalten. Sie alle haben einen Rechtsanspruch auf Hilfe. Die Ämter für Versorgung und Soziales prüfen auf Antrag die Schwerbehinderteneigenschaft und stellen bei Vorliegen der Voraussetzungen einen Schwerbehindertenausweis aus. Für Menschen mit einer Hörschädigung oder Gehörlosigkeit ist hierbei die Eintragung von zwei Merkzeichen von Bedeutung. Das Merkzeichen RF und damit auch eine Befreiung von der Rundfunk- und Fernsehgebührenpflicht und/oder Telefongebührenermäßigung erhalten gehörlose Personen oder Personen, die gehindert sind, sich trotz Hörhilfe ausreichend zu verständigen, sowie solche, die ständig gehindert sind, an öffentlichen Veranstaltungen jeder Art teilzunehmen. Die Befreiung von der Rundfunk- und Fernsehgebührenpflicht wird auf Antrag durch die Gebühreneinzugszentrale Köln (kurz GEZ) gewährt. Das Merkzeichen Gl wird in den Behindertenausweis eingetragen, wenn Menschen mit einer Schwerbehinderung gehörlos im Sinne des § 145 des IX Sozialgesetzbuches sind.

Weitere wesentliche Hilfen sind:

  • das Neugeborenenscreening: Dabei handelt es sich um eine Blutuntersuchung an einem neu geborenen Kind. Es können hier schon sehr früh Stoffwechsel- oder Hormonstörungen erkannt werden, die bei rechtzeitiger Behandlung schwere Behinderungen verhindern können.
  • das Neugeborenenhörscreening: Dabei wird mit einem Messgerät das Kind auf eine angeborenen Schwerhörigkeit untersucht. Wird eine Schwerhörigkeit diagnostiziert stehen wirksame Behandlungsmethoden und Frühfördermöglichkeiten zur Verfügung.
  • Rechte aus dem Hessischen Behindertengleichstellungsgesetz (siehe „Hessisches Behindertengleichstellungsgesetz“)
  • Hilfen zur Förderung der Verständigung mit der Umwelt nach den §§55 und 57 SGB IX
  • Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben nach §33 SGB IX. Hierzu empfehlen sich auch die Informationen der Bundesagentur für Arbeit. Dort gibt es einen besonderen Service für Hörbehinderte.
  • spezielle Integrationsfachdienste für gehörlose Berufstätige: Diese sind über den Landeswohlfahrtsverband erreichbar. Weitere Informationen sind unter der Rubrik „Arbeit und Ausbildung“ zu finden.
  • spezielle Schulen für Hörgeschädigte

Kontaktstellen Anprechpartner/innen zur Bestimmung der individuell geeigneten Hilfen und Unterstützungen sind die verschiedenen Träger der Leistungen zur Teilhabe am gesellschaftlichen Leben (genannt Rehabilitationsträger) und hier zuerst die Gemeinsamen Servicestellen dieser Träger. Einzelheiten dazu siehe unter „Gemeinsame Servicestellen“. Viele wertvolle Tipps und Hinweise auf verschiedene Hilfsangebote können Sie auch von den einzelnen Behindertenverbänden erhalten, wie zum Beispiel dem Landesverband der Gehörlosen Hessen e.V., dem Deutschen Gehörlosen Bund e.V. oder dem Bundesverband für Körper- und Mehrfachbehinderte e.V..